Immer wieder wurde dem kammermusikalischen Spätwerk Schumanns nachlassende Schöpferkraft attestiert, ein kaum auszurottendes Vorurteil, das vornehmlich auf seinen ersten Biographen, Wilhelm Joseph von Wasielewski, zurückgeht. Wenn auch die umfänglichen Streich- und Klavierquartette in den Jahren zuvor entstanden waren, so verstand es Schumann doch unvergleichlich, nunmehr auch in kleineren aber hochkonzentrierten Charakterstücken und Miniaturen den romantischen Geist einzufangen und auf die reine Essenz zu reduzieren. Angesichts dieser Miniaturistik von „nachlassender Schöpferkraft“ zu sprechen bedeutet letztendlich, Masse mit Qualität zu verwechseln. Dies gilt gerade auch für die „Fünf Stücke im Volkston“ op. 102 für Violoncello und Klavier, die Schumanns Projektenbuch unter dem April 1848 verzeichnet („5 leichte Stücke im Volkston für Violoncell u. Pianoforte“). Auch hier hat Schumann mit Rücksicht auf verlegerisches Kalkül und auf einen breiten Interessenten- bzw. Interpretenkreis Besetzungsalternativen vorgesehen. Er kam mit dieser Praxis einer Musikauffassung entgegen, die Musik nicht nur für den virtuosen Auftritt im Konzertsaal, sondern auch für das häusliche Musizieren verfügbar machen wollte. Insbesondere in den „Fünf Stücken im Volkston“ wird dies deutlich, schon dem Titel nach. Schumanns Zuflucht in das ungefährdete Idyll korrespondiert hier, wie auch bei den anderen auf dieser CD vereinten Werken, mit dem zunehmenden Interesse an kleinbesetzter Musik und neuen Klangkombinationen, an großbürgerlicher Gesellschaftsmusik.
Robert Schumann (1810-1856)
Fünf Stücke im Volkston für Violoncello/Violine und Klavier op. 102 (1849) 1 Vanitas vanitatum. Mit Humor 2 Langsam 3 Nicht schnell, mit viel Ton zu spielen 4 Nicht zu rasch 5 Stark und markiert
Adagio und Allegro für Klavier und Horn op. 70 (1849) (Fassung für Violoncello und Klavier) 6 Langsam, mit innigem Ausdruck – 7 Rasch und feurig
Drei Romanzen für Oboe/Klarinette/Violine und Klavier op. 94 (1849) 8 Nicht schnell 9 Einfach, innig 10 Nicht schnell
Drei Fantasiestücke für Klarinette/Violine/Violoncello und Klavier op. 73 (1849) 11 Zart und mit Ausdruck 12 Lebhaft, leicht – Coda: Nach und nach ruhiger 13 Rasch und mit Feuer – Coda – Schneller
Waldszenen. Neun Klavierstücke op. 82 (1848/49) (nach der Bearbeitung für Klavier und Oboe von Wolfgang Renz, arrangiert von Matthias Rácz) 14 Eintritt 15 Jäger auf der Lauer 16 Einsame Blumen 17 Verrufene Stelle 18 Freundliche Landschaft 19 Herberge 20 Vogel als Prophet 21 Jagdlied 22 Abschied