Details

"Dmitrij Schostakowitsch: Cellosonate und Violasonate"

Komponist: Dmitrij Schostakowitsch

Interpret(en): Friedrich Kleinhapl, Andreas Woyke

Aufnahme: 14.-16.12.2003

Qualität: DSD

EAN: 4260052380031

Bestell-Nr.: ARS 38 003

Preis: 21,00 €

Spieldauer: 59:27

Veröffentlicht: 08.03.2004


[...] Im selben Jahr begann die Zeit der großen Repressalien in der Sowjetunion, nachdem Stalin zwei Jahre zuvor durch ein kurzes Tauwetter mehr Freiheit erhoffen hatte lassen.
In diesem Klima entstand 1934 die Cellosonate, geprägt von Ironie und Heiterkeit, vielleicht im Versuch, dem politischen Alltag zu entkommen, vielleicht bewusst in einer weniger progressiven Grundhaltung komponiert, um der sowjetischen Doktrin zu entsprechen. Diese Sonate wurde auch sofort mit Begeisterung aufgenommen, sie war Schostakowitschs erster großer kammermusikalischer Erfolg.
1936 erreichte Stalins Terror seinen Höhepunkt. Massenhinrichtungen und Deportationen standen auf der Tagesordnung. Stalin verurteilte die Oper Macbeth. Daraufhin erschien in der Prawda eine vernichtende Kritik unter dem Titel: "Chaos statt Musik". Schostakowitschs bisher hymnisch aufgenommenes Werk wurde vom Komponistenverband und der Öffentlichkeit geächtet.
In der Folge rechnete man allgemein mit Schostakowitschs Verhaftung. Er soll durch viele Monate hindurch die Nächte nur mehr vollständig bekleidet und mit bereitgestelltem  Koffer verbracht haben, ständig in der Erwartung, verhaftet oder deportiert zu werden.
Vielleicht hat auch diese Zeit der ständigen Angst und des anhaltenden Wechselbades zwischen höchsten staatlichen Ehrungen und Repressalien aus Schostakowitsch jenen Menschen gemacht, der 1975, kurz vor seinem Tod sein letztes Werk geschrieben hat ­ die Violasonate op. 147.
Er schrieb sie, gezeichnet als ein Mensch, dessen Geist verbissen um seine Gesundheit ­ um sein Weiterleben ­ kämpfte, dessen Körper ihm aber zunehmend den Dienst aufkündigte ­ vielleicht unwillig geworden, ein Leben zu tragen, in andauerndem Konflikt zwischen Selbsttreue und opportunen Versuchen, der repressiven Diktatur zu entgehen.
Ein Jahr vor dem Entstehen dieser letzten Komposition, 1974, sagte er zu einem Journalisten, dass er 100 Jahre alt werden würde, konnte damals aber die wenigen Stufen zu seiner Wohnung kaum noch ersteigen. Er litt an Lungenkrebs, an einem schweren Leberleiden, an einer zunehmenden Lähmung der Beine und Hände, was ihm das Komponieren beinahe unmöglich machte, hatte mehrere Herzinfarkte hinter sich und er verlor seine Sehkraft.
Schostakowitsch beginnt den ersten Satz dieser Sonate, als würde er aus einem Dilirium erwachen und langsam ins Bewusstsein zurückkehren, um plötzlich vom Wissen um das Bevorstehen des Todes und dem Kampf gegen ihn mit einem Aufschrei gepackt zu werden. Danach fällt er wieder zurück in einen Dämmerzustand.
Das Scherzo des zweiten Satzes mag eine Reminiszenz an das Leben sein, an unbeschwertere Tage, indem er auch Themen aus seiner, aus dem Jahr 1942 stammenden, unvollendeten Oper "Der Spieler" verwendet.
Im dritten Satz schließlich scheint der Sterbende unter berührenden Zitaten von Beethovens "Mondschein Sonate" seinen Tod anzunehmen und Frieden zu finden. Nach einem letzten Aufbäumen endet die, sein Lebenswerk abschließende Sonate, in einer verklingenden Coda, in der das Cello (bzw. die Viola) endlos lang auf einem e liegen bleibt, als könnte man den Kosmos klingen hören, in dem mit letztem Aufflackern im Klavier ein Planet verglüht.
Schostakowitsch vollendete das Werk unter größten Anstrengungen und starb kurze Zeit danach mit den letzten Worten: "Ich ersticke ..." an den Folgen des Lungenkrebses.
Die Idee, die Violasonate für Cello zu transkribieren, ist eine in Russland durchaus eine gängige Praxis. Der Cellopart wurde größtenteils direkt von der Viola übertragen. Es mussten nur wenige Stellen in der Cellostimme und eine kurze Passage im Klavierpart oktaviert werden, um die nötige Transparenz zu erreichen.
Friedrich Kleinhapl

Dmitrij Schostakowitsch (1906-1975)
Sonate für Violoncello und Klavier Op. 40, komp. 1934
   1    Allegro non troppo
   2    Allegro
   3    Largo
   4    Allegro

Sonate für Viola und Klavier Op. 147, komp. 1975
(Fassung für Violoncello und Klavier)
   5    Moderato
   6    Allegretto
   7    Adagio

 

Friedrich Kleinhapl, Violoncello
Andreas Woyke, Klavier

 

pasticciopreisausgezeichnet mit: Pasticciopreis 2005

Die Jury war von der konsequenten, manchmal fast radikalen Musizierweise, der Klangvielfalt und Musikalität dieser Aufnahme von Dimitri Schostakowitschs Cellosonate op. 40 und der Sonate für Viola und Klavier opus 147 in der Fassung für Cello und Klavier angetan.

 

 


 

Inhalt des Albums
Titel Dauer Bitrate   Aktion Preis
01. Sonate für Violoncello und Klavier Op. 40 (Allegro non troppo) 10:49  320 kbit/s   
 
1,20 € 
02. Sonate für Violoncello und Klavier Op. 40 (Allegro) 03:00  320 kbit/s   
 
1,20 € 
03. Sonate für Violoncello und Klavier Op. 40 (Largo) 09:20  320 kbit/s   
 
1,20 € 
04. Sonate für Violoncello und Klavier Op. 40 (Allegro) 04:04  320 kbit/s   
 
1,20 € 
05. Sonate für Viola und Klavier Op. 147, Fassung für Violoncello und Klavier (Moderato) 08:28  320 kbit/s   
 
1,20 € 
06. Sonate für Viola und Klavier Op. 147, Fassung für Violoncello und Klavier (Allegretto) 06:35  320 kbit/s   
 
1,20 € 
07. Sonate für Viola und Klavier Op. 147, Fassung für Violoncello und Klavier (Adagio) 17:11  320 kbit/s   
 
1,20 € 
CDs / SACDs
Titel Dauer Medium   Aktion Preis
Dmitrij Schostakowitsch: Cellosonate und Violasonate 59:27 SACD  
21,00 €
Tipps

Auszeichnungen

Unsere SACD-Produktion
"Schostakowitsch: Cellosonate und Violasonate"
wurde mit dem "Pasticciopreis" für Mai 2005
von Radio Österreich 1 ausgezeichnet. 
oe1.orf.at
Die Jury war von der konsequenten, manchmal fast radikalen Musizierweise, der Klangvielfalt und Musikalität dieser Aufnahme angetan.

Rezensionen

Brief von Peter K. Burkowitz
Einer der Altmeister der Tonschaffenden, Peter K. Burkowitz - Leiter der EMI Köln bis 1964 und später technischer Direktor der Grammophon - schreibt in einem Brief an ARS Produktion:

"Musikalisch sind die Aufnahmen der letzten Klavierwerke Schostakowitschs ein Lehrstück für den zeitgeschichtlich relevanten Übergang von der pompös-gefühligen Spätromantik zur stillhalten-könnenden, aber im Ernstfall umso ergreifenderen Eindringlichkeit moderner Ausdrucksformen. Die Darbietungsqualität der beiden Künstler ist überragend. Diese Aufnahmen seiner letzten Kompositionen gehören in die Sammlung jedes ernsthaften Musikliebhabers."

Burkowitz kann auf ein äußerst interessantes Berufsleben zurückblicken und ist heute mit 87Jahren immer noch in beratender Funktion für viele Tonmeister, Labels und Institutionen tätig. Seine legendären Stereoaufnahmen in den 50iger und 60iger Jahren, u.a mit Karajan, Stockowski, Bernstein gelten heute noch als Referenz.
 
Tageszeitung "Die Presse"
Wilhelm Sinkovicz schrieb in der Tageszeitung Die Presse Folgendes über diese Cd:
"Friedrich Kleinhapl wagt sich mit blühend schönem aber auch kräftigem Cello-Ton nicht nur an die berühmte Cellosonate op. 40 sondern auch an eine oktavierte Fassung der Violasonate op. 147 von Schostakowitsch - Musik von bohrender Intensität, mit Pianist Andreas Woyke suggestiv realisiert."
 
Musikzeitschrift "Ensemble"
Carsten Dürer (im Portrait Friedrich Kleinhapl und Andreas Woyke) schrieb in der Musikzeitschrift Ensemble Folgendes über diese Cd:
"Eines ist sicher: die Aufnahmen dieser beiden Künstler sind individuell, lebendig und berauschend inspiriert!"
 

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