Die Beschäftigung mit der Orgel fällt – abgesehen von einem früheren Konzert für Orgel, Streichorchester und 2 Trompeten von 1956 – in einen relativ eng begrenzten Zeitraum der späten Schaffensphase des Komponisten. Nach der ersten Orgelmusik von 1970 entstanden die weiteren vier Orgelwerke alle im Jahr 1974. Parallel dazu komponierte Josef Schelb die Sonate für Violoncello und Klavier und die fünfte „Musik für Orchester“. Alle fünf zyklischen Kompositionen sind „Orgelwerk“ betitelt. Zum einen zeigt sich damit ein Kontext, der nicht in erster Linie im geistlichen Raum zu suchen ist. Zum anderen deutet der Titel auf eine bewusste Abkehr von programmatischen oder choralgebundenen Inhalten hin. Josef Schelb stellt in seinen fünf Orgelwerken die kompositorische Verarbeitung und das polyphone Durchdringen des thematischen Materials, die „reine Musik“ in den Mittelpunkt.
Badische Zeitung Ein Schatz, der klingt
Fast wie beim Preisrätsel: Wer ist denn das? Wer schreibt so? Einen Moment lang denkt man (womöglich) an Messiaen und Jehan Alain oder an Hindemith und Genzmer. Doch der Eindruck verflüchtigt sich rasch – und man landet beim Eigentlichen: bei der Musik von Josef Schelb. Der 1894 in Bad Krozingen geborene und 1977 in Freiburg verstorbene Komponist hat ein beträchtliches OEuvre vorzuweisen, darunter drei Opern. In der Spätphase zwischen 1970 und 1974 galt sein Interesse auch der Orgel – Frucht dieser Beschäftigung sind fünf Kreationen, die alle „Orgelwerk“ heißen und sich im Titel lediglich durch die Nummerierung unterscheiden. Drei oder viersätzige Beiträge, sämtliche Satzüberschriften in deutscher Sprache. Artifizielle, gelehrte, pathosfreie Musik, die antiromantisch ist und sich durch nichts anbiedert. Oft spielerische Klangstrukturen, die auf Transparenz setzen. Es braucht eine Phase des Einhörens, um sich diesen Schatz zu erschließen. Und es ist eine farbenreiche Orgel nötig, um diese lineare Musik adäquat zu realisieren. In der viermanualigen Karl-Schuke-Orgel der Immanuelskirche in Wuppertal steht ein solches Instrument von 1967, das den Einfluss der sogenannten Orgelbewegung kaum verleugnen kann.
Martin Schmeding hat sich der Fleißarbeit unterzogen, Schelbs komplettes Orgelschaffen auf CD einzuspielen. Der so fähige wie rührige Freiburger Hochschulprofessor tut dies sehr kompetent und mit viel stilistischem Feingefühl. Ein lohnendes Klangdokument ist das Ergebnis.