Komponist: František Adam Míča, Wolfgang Amadeus Mozart, František Vincenc Kramář Krommer, Jan Křtitel Vaňhal
Interpret(en): Ensemble Rhapsody
Aufnahme: 02.-05.03.2009
Qualität:
DSD
EAN:
4260052380703
Bestell-Nr.:
ARS 38 070
Preis:
21,00 €
Spieldauer:
65:14
Veröffentlicht: 01.03.2010
Das Quartett für Oboe und Streichtrio war eine weitaus populärere Form in der Wiener Klassik als allgemein bekannt. In den Jahrzehnten zwischen 1760 und 1800 wurden von mindestens 45 verschiedenen Komponisten nahezu zweihundert Oboenquartette komponiert, von denen nur etwa ein Drittel in einer modernen Ausgabe erschienen ist. Oboenquartette waren beliebt und wurden in ganz Europa veröffentlicht, aber nirgends war die Form so beliebt wie in Wien, lange Zeit ein Magnet für Musiker aus Böhmen und Mähren (heute Teile der Tschechischen Republik), Regionen, in denen die Tradition des Oboen- und Fagottspiels besonders intensiv gepflegt wurde.
Die drei Komponisten Vaňhal, Krommer und Míča, die auf dieser Einspielung Mozart gegenüber gestellt werden, stammten alle gebürtig aus Böhmen oder Mähren, waren aber zumindest für einen signifikanten Teil ihrer Karriere in Wien beheimatet. Die Beliebtheit der Quartettform war so groß, dass diese Gattung oft auch als „Wiener Oboenquartett“ bezeichnet wurde, wobei ein Grund hierfür die große Zahl der exzellenten Oboisten war, die in Wien lebten und auftraten.
František Adam Míča (1746-1811) Quartett C-Dur für Oboe, Violine, Viola und Violoncello 1 Allegro 2 Andante 3 Allegretto
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Quartett F-Dur für Oboe, Violine, Viola und Violoncello 4 Allegro 5 Adagio 6 Rondeau Allegro
František Vincenc Kramář Krommer (1759-1831) Quartett Nr. 2, F-Dur für Oboe, Violine, Viola und Violoncello 7 [Allegro] 8 Menuetto. Trio 9 Rondo
Jan Křtitel Vaňhal (1739-1813) Quartett C-Dur für Oboe, Violine, Viola und Violoncello 10 Allegro 11 Andante 12 Menuetto I - Menuetto II 13 Presto
Ensemble Rhapsody
Inhalt des Albums
Titel
Dauer
Bitrate
Aktion
Preis
01. Míča: Quartett C-Dur - Allegro
06:30
320 kbit/s
1,20 €
02. Míča: Quartett C-Dur - Andante
02:46
320 kbit/s
1,20 €
03. Míča: Quartett C-Dur - Allegretto
01:58
320 kbit/s
1,20 €
04. Mozart: Quartett F-Dur - Allegro
10:00
320 kbit/s
1,20 €
05. Mozart: Quartett F-Dur - Adagio
03:18
320 kbit/s
1,20 €
06. Mozart: Quartett F-Dur - Rondeau Allegro
04:29
320 kbit/s
1,20 €
07. Krommer: Quartett Nr. 2, F-Dur - [Allegro]
07:00
320 kbit/s
1,20 €
08. Krommer: Quartett Nr. 2, F-Dur - Menuetto. Trio
03:48
320 kbit/s
1,20 €
09. Krommer: Quartett Nr. 2, F-Dur - Rondo
04:43
320 kbit/s
1,20 €
10. Vaňhal: Quartett C-Dur - Allegro
07:44
320 kbit/s
1,20 €
11. Vaňhal: Quartett C-Dur - Andante
03:44
320 kbit/s
1,20 €
12. Vaňhal: Quartett C-Dur - Menuetto I - Menuetto II
Die Oboe konnte es in Mozarts Wien durchaus mit der Violine als beliebtes Soloinstrument aufnehmen. Eine Vielzahl von Virtuosen verlangte für kammermusikalische Soireen nach immer neuen Stücken, so dass aus der Zeit von 1760 bis 1800 fast zweihundert Oboenquartette bekannt sind. Die Kombination von einer Oboe und drei Streichern hat den Vorteil, dass sie sowohl wie ein verkleinertes Konzert als auch wie ein intimes Kammermusikstück wirken kann und klangliche Abwechslung garantiert.
Das Wiener Oboenquartett mit dem Solisten Michael Niesemann hat neben Mozarts Standardwerk für diese Besetzung drei Werke aus dem direkten Umfeld aufgenommen. Gemeinsam ist ihnen eine böhmisch-mährische Wurzel. Die Spannweite reicht vom unterhaltsamen Serenadenton des Mozart-Freundes František Adam Míča bis zum Miniaturkonzert von Franz Krommer. Michael Niesemann zeigt hochgradige Virtuosität und Wandlungsfähigkeit, seine Erfahrungen im Jazz kommen dieser eher locker gefügten leichteren Klassik entgegen.
Die in die CD-Hülle eingearbeiteten vier Kaffeebohnen entfalten lange nicht so viel anregende Wirkung wie die Musik.
[...] Wien: Da denkt man neben der Musik auch an den Kaffee. Nahe liegend also, das Cover thematisch entsprechend zu gestalten – hier mit einem Haufen Kaffeebohnen. Eigentlich erwähnenswert ist aber, wie das Konzept in überzeugender Weise das gesamte Design bestimmt: So ist auf jeder Seite des schick gestalteten Booklets links unten über der Seitenzahl eine Anordnung von vier Kaffeebohnen zu sehen. Und noch mehr: Im Hohlraum der Jewelbox befinden sich eben diese vier gezeichneten Kaffeebohnen des Booklets ‚realiter’ – da hatte doch tatsächlich jemand die geniale Idee, hier echte Kaffeebohnen (oder zumindest täuschend echte Nachbildungen) zu platzieren. Natürlich ist solch ein Einfall ohne Belang in der künstlerischen Bewertung, aber – so sehr man das auch leugnen mag – das Auge kauft ja doch immer mit. Ich gebe gern zu, dass diese Platte nicht zuletzt wegen der Kaffeebohnen auf dem Cover im Rezensenten-Warenkorb gelandet ist, bin ich doch leidenschaftlicher Kaffeetrinker.
Zum Thema: die Musik
Aber lassen wir das beiseite. Das Ensemble Rhapsody, bestehend aus Michael Niesemann (Oboe), Pauline Nobes (Violine), Rachel Isserlis (eigentlich auch Violine, hier aber an der Viola) und Nicholas Selo (Violoncello), hat für die vorliegende Produktion vier Oboenquartette von Komponisten eingespielt, die man der Wiener Klassik zurechnen kann. Da darf natürlich Wolfgang Amadeus Mozart nicht fehlen, dessen einziges Oboenquartett KV 370 (368b) nach wie vor zu den Highlights der gesamten Gattung, die in der damaligen Zeit alles andere als eine Randerscheinung war, gehört. Dazu gesellen sich drei mehr oder weniger bekannte böhmische Komponisten mit jeweils einem Werk: Franz Krommer (Quartett Nr. 2 F-Dur), Johann Baptist Vanhal (Quartett C-Dur aus op.7) und Frantisek Adam Mica (Quartett C-Dur). Mica, der mit Mozart befreundet war, soll diesen in der Öffentlichkeit geküsst haben – was der Platte dann ihren Titel gab [...]
Ungetrübte Freude beim Hören
[...] Die 2009 entstandenen und vom Label Ars Produktion vertriebenen Aufnahmen überzeugend sowohl technisch mit ihrem natürlichem und gut ausbalancierten Klangbild als auch interpretatorisch. Das auf historischen Instrumenten bzw. deren Kopien musizierende Ensemble bietet die vier Quartette mit viel Spielfreude, stimmungsvoller Wiener Eleganz, einer gehörigen Prise Humor (etwa in den Werken Krommers und Vanhals) und, soweit gefordert, auch der nötigen geistig-emotionalen Tiefe; die eher auf Spielfreude abzielenden Werke verlangen diese zwar zugegebenermaßen eher selten, aber umso überzeugender ist es, wenn sich die Musiker in Mozarts Adagio bestens darauf einlassen, anstatt den Satz im Stile der anderen darzubieten. Herrlich ist es übrigens, wie weich und wenig quäkend die Oboe (Nachbau nach Hammig) klingt und wie gut sie mit den Streichern zu verschmelzen vermag. Dass die Instrumente damals so gut wie keine Klappen hatten, kommt dem Klangbild durchaus zugute, fehlt doch das sonst charakteristische Klappern der Mechanik fast völlig.
Einsatzmöglichkeiten
[...] haben wir es hier mit einer wirklich schönen Produktion zu tun, die Oboisten und Oboenfreunden viel Freude bereiten sollte. Auch als Geschenk für klassikhörende Kaffeetrinker wird diese Platte ihren Effekt nicht verfehlen. Zudem kann man sie ruhig denjenigen unter die Nase halten kann, die bereits vor Jahren das nahe Ende der ‚Schallplatte’ prophezeit haben. Das kann eben ein Internet-Download nicht bieten...
Der saloppe CD-Titel "Kiss me Amadeus" kaschiert die Ernsthaftigkeit, mit der diese alten Kämpen der Originalklang-Zeit vier Oboenquartette der Wiener KIassik spielen - Michael Niesemann etwa begegnete mir mit seinem immer noch begeisternden Mozartkonzert KV 314 (Capriccio 10 375) schon vor 10 Jahren und seither immer wieder. Ob Mozart, der "Wahlböhme" im geliebten Prag, seine drei echten "Mitböhmen" Mica, Krommer und Vanhal inspiriert hat oder sie ihn, ist eine müßige Frage: Jeder von ihnen komponierte aus jenem Geist, der nicht nur, aber besonders in Wien "in der Luft lag", jeder schöpfte dabei aus heimatlichen Musikquellen und steuerte in erstaunlichem Einfallsreichtum beherzt neue harmonische und rhythmische Ideen bei. So entsteht mit den vier Quartetten ein vielfarbiges Kaleidoskop von gleichartigen und doch facettenreich unterschiedlichen Werken von Freunden, die miteinander in fruchtbarem Kontakt standen. In schmeichelhaftem Raumklang schwebt Niesemanns wunderbar strahlender Oboenton zwar immer über dem Klanggeschehen, lässt aber den Streicherstimmen überall Raum zur Profilierung, wo dies verlangt wird. So bezwingend dargestellt, wird man des Hörens nicht müde und fühlt sich in der Fülle des Wohllauts auch wirklich wie von Mozart geküsst ...