Nadège Rochat (Cello) – Glasgow

Romain Nosbaum – « Reflections »

Cantabo Domine – Lüdenscheid

Anna Schultsz, Gérard Wyss

Aquiles Delle Vigne – Les Années de Pèlerinage – 4er-CD

Ensemble Darcos – Tremor

November 2021

Nadège Rochat (Cello) – Glasgow

November 2021

Nadège Rochat spielt das Violoncellokonzert h-moll op. 104 von Antonín Dvořák und die mystisch vergeistigte Épiphanie op. 22 von André Caplet ein zusammen mit dem Royal Scottish National Orchestra unter Benjamin Levy ein.

“Das Cello, mal lebhaft, mal ekstatisch, führt uns gemeinsam um den Stall von Bethlehem: sobald die Flageoletts des Quartetts sich gegen das Glockenspiel reiben und einen funkelnden Stern im klaren Nachthimmel angezündet haben, führt das Cello munter den prächtigen Festzug an.” Roland-Manuel, “Autour d’Épiphanie”

Den klaren Himmel, die wilden exotischen Landschaften, den ganzen kreativen Reichtum, der aus der realen oder imaginären Begegnung mit vergangenen Epochen, mit fremden Kulturen und Landschaften entsteht, das alles möchte ich in dieser neuen Aufnahme feiern!

Die Kadenz im zweiten Satz von Dvořáks Konzert mag bei Ihnen die Assoziation einer Mundharmonika am Lagerfeuer, der 1. Satz der Épiphanie „das gelassene Schaukeln auf dem Rücken eines Elefanten“ oder auch etwas ganz Anderes hervorrufen, an das weder der Komponist, das Orchester, noch ich selbst auch nur im Entferntesten gedacht hätten. Das ist der Punkt.

Romain Nosbaum – « Reflections »

November 2021

Warum ‘Reflections’?

Weil sich jede Art von Musik auf jeden von uns anders auswirkt. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, drei sehr gegensätzliche Komponisten aufzunehmen, aber auch, weil ich zeigen wollte, dass sie aus irgendeinem „unterbewussten“ Grund perfekt zusammenpassen… Bach führt uns zur inneren Besinnung. Seine Musik lädt uns zum tiefen Nachdenken ein und weckt Emotionen. Ravel ‘reflektiert’ Visionen, spiegelt Naturereignisse wie fließendes Wasser, sich im Wind bewegende Bäume und vieles andere. Cage, und insbesondere In a Landscape, provoziert eine eher unemotionale Reflexion unserer selbst. Seine Musik lädt uns dazu ein, uns und den Rest der Welt von außen zu betrachten.

Letztendlich liegt die Magie der Musik darin, wie sie sich in jedem von uns widerspiegelt und wie wir sie mit dem Publikum teilen. Romain Nosbaum

Cantabo Domine – Lüdenscheid

November 2021

Seit vier Jahrzehnten wird der Bass-Bariton Klaus Mertens von der Kritik in Konzerten und nahezu 200 CD-Einspielungen als „überirdisch strahlend“ (klassik.com), „wunderbar schlank, klar deklinierend“ (mdr Figaro) und „unverändert frisch und ungemein homogen“ (klassik.com) für seine Interpretationen von Alter Musik bis zur Avantgarde gefeiert.

Dmitri Grigoriev wurde 1979 in Leningrad geboren und studierte Orgel und Klavier nach privatem Unterricht an den Konservatorien in St. Petersburg und Kasan, wo er seine Studien 2007 mit dem staatlichen Konzertexamen abschloss.

Die beiden Musiker spielen auf dieser CD ist die Musik aus „drei Jahrhunderten“. Kantor Dmitri Grigoriev und Klaus Mertens ersonnen für dieses Projekt bewusst ein Programm, das zum einen den vielfältigen Farben und Möglichkeiten der so besonderen Orgel vor Ort Rechnung trägt, zum anderen einen kleinen, aber feinen Einblick in Klänge und Stile von Vokalmusik über drei Jahrhunderte zu vermitteln vermag.

Anna Schultsz, Gérard Wyss

November 2021

Die vier Werke, die diese CD vereint, gehören zu den schönsten des französischen Repertoires für Violine. In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entstand in Frankreich eine neue Art von Musik, die die französische Kultur und Tradition wieder aufnahm. Denn bisher hatten in den Konzertsälen Frankreichs die deutschen Klassiker und Romantiker dominiert. Werke von Franzosen wurden kaum aufgeführt. Saint-Saëns erinnerte sich rückblickend: «Es ist noch nicht lange her, […] da […] der Name eines französischen Komponisten, noch dazu eines lebenden, genügte, um alle Welt zu verscheuchen.» Anstoss für eine Neuorientierung war der verlorene Deutsch-Französischen Krieg von 1870. Nun musste sich die «Grande Nation» wieder neu beweisen und zu einem neuen Selbstverständnis finden. Man besann sich auf die eigenen Traditionen und wollte die französische Musik wieder auferstehen lassen. Zu diesem Zweck gründeten mehrere Komponisten die «Société nationale de musique». Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Camille Saint-Saëns, César Franck und Gabriel Fauré. Unter dem Motto «Ars gallica» sollte diese Gesellschaft die französische Musik fördern und verbreiten. Es sollte eine Musik sein, die deutschen Tiefgang mit französischem Charme und Esprit vereinte. Anna Schultsz

Aquiles Delle Vigne – Les Années de Pèlerinage – 4er-CD

November 2021

Der in Argentinien geborene Pianist Aquiles Delle Vigne ist einer der namhaftesten Schüler des legendären Claudio Arrau, der ihn schon als 17-Jährigen unterwies, und blickt selbst auf eine außergewöhnliche Karriere zurück. Bis heute ist er unermüdlich auf allen Kontinenten unterwegs. Sein besonderes Interesse gilt Franz Liszt, dessen Années de Pèlerinage (Pilgerjahre) er hier auf 4 CDs einspielt – dazu Juwelen wie Gondoliera / Canzone / Tarantella / Consolations und die Ballade Nr. 2.

Ensemble Darcos – Tremor

November 2021

Nuno Côrte-Real (geb. 1971) arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren als Komponist und Dirigent und ist eine der wichtigsten Figuren der portugiesischen zeitgenössischen Musik. Von Anfang an zeigte er große Unabhängigkeit und ignorierte die vorherrschenden musikalischen Strömungen und etablierten Meinungen. Die Pluralität und der Synkretismus die seine Werke charakterisieren, stehen für einen offenen und geradlinigen Umgang mit der Musik, der mit den Klischees, dem ästhetischen Determinismus und Elitedenken der zeitgenössischen Musikwelt bricht.

Charakteristisch für sein Schaffen ist zudem die Vorliebe für stilistische Symbiosen, insbesondere durch die Verwendung von Elementen aus anderen Musiktraditionen wie Jazz und Pop-Musik. Côrte-Real versucht, die zeitgenössische Musik aus ihrer Verschlossenheit zu befreien und sie neu zu beleben, indem er sie anderen Klanguniversen näherbringt. Sein Katalog umfasst mehrere hybride oder symbiotische Werke, deren Wurzeln aus anderen Musiktraditionen stammen. Ein Beispiel sind die zwei Bände des Novíssimo Cancioneiro (Cante, Odreadek, 2019), welche auf portugiesischen Volksliedern basieren; der Liederzyklus Agora muda tudo (Odradek, 2019), geschrieben für die Jazzsängerin Maria João, und Time Stands Still (Artway, 2020), eine interessante Nachbildung der Lieder von John Dowland. Als Fortsetzung dieses Trends kann Tremor (2021) gesehen werden, welches Elemente der mündlichen Überlieferung einbezieht.

Die ursprüngliche Idee war, einen Liederzyklus über die Stadt Lissabon zu schreiben, aber bald konzentrierte man sich auf das Thema des Erdbebens von Lissabon, welches am 1. November 1755 die portugiesische Hauptstadt verwüstete. Dem starken Erdbeben folgte ein Tsunami und ein mehrere Tage andauernder Brand, der das Ausmaß der Katastrophe deutlich vergrößerte. Das Erdbeben von Lissabon war ein traumatisches Ereignis, das in der modernen Geschichte seinesgleichen sucht. Die Verluste von Menschenleben und die Zerstörung von Gebäuden, Palästen, Kirchen, Kunstwerken, Bibliotheken und Archiven haben sich tief im kollektiven Gedächtnis Portugals eingeprägt.

Dies ist der Hintergrund für den Liederzyklus Tremor.