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"Elena Margolina und Boris Hait – Tod Trauer Trost"

Komponist: Bach, Marcello, Mozart, Schubert, Chopin, Gluck, Nepomuceno, Glinka, Lyssenko, Skoryk, Bortkiewicz

Interpret(en): Elena Margolina, Boris Hait

Aufnahme: 02.-04.05.2022

Qualität: DDD

EAN: 4260052386163

Bestell-Nr.: ARS 38 616

Spieldauer: 81:41

Veröffentlicht: 01.07.2022


Die Wiege schaukelt über einem Abgrund, und der platte Menschenverstand sagt uns, dass unser Leben nur ein kurzer Lichtspalt zwischen zwei Ewigkeiten des Dunkels ist. – Vladimir Nabokov

Innerhalb dieses kurzen Lichtspaltes wandeln wir auf gewundenen Wegen und hinterlassen unsere Spuren. Der Lichtspalt beherbergt alles. All das, was uns ausmacht, was das Leben lebenswert macht, was uns menschlich macht: Freude und Bestürzung, Hoffnung und Angst, Liebe und Verletzung, Errungenschaften und Rückschläge – Tod, Trauer und Trost.

Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Was ist, wenn ich nicht mehr bin?

Seit jeher ist die Beschäftigung sowohl mit Fragen des Lichtes als auch mit denen ewiger Dunkelheit eine unumstößliche Konstante unseres Seins. Es berührt und bewegt die Menschen über alle Lebenslagen, Gesellschaftsschichten und Zeit-dimensionen hinweg. So überrascht es keineswegs, dass diese Gedanken gerade auch in der Musik und Literatur Einzug halten und sich Künstler kontrovers mit dem Thema „Tod, Trauer und Trost“ auseinandersetzen – so wie die Pianistin und Interpretin dieser CD.

Doch auch für die Medizin ist dieser Balanceakt eine unabdingbare Existenzgrundlage. Nirgendwo verschwimmen hierbei die Grenzen so flüssig wie in der Palliativmedizin. Für den Sprecher der Texte dieser CD, der seit langem in der medizinischen Versorgung Schwerstkranker arbeitet, ist seine Tätigkeit als Palliativmediziner von unschätzbarem Wert. Sterbebegleitung eröffnet einzigartige Perspektiven auf das Leben, den Tod und das, was danach kommen mag.

Im Dialog mit Menschen an ihrem Lebensende offenbart sich ein reichhaltiger Schatz: Wut, Angst und Verzweiflung angesichts des Unbekannten, Vorahnung des Unausweichlichen, die Reue vertaner Chancen, das Ringen mit dem eigenen Schicksal, unendliche Trauer und Einsamkeit – aber auch die Weisheit und das Glücksgefühl eines erfüllten Lebens, Hoffnung, Freude der Erinnerung, Befreiung, Zuversicht und Neugier auf das Nahende. Wie durch ein Kaleidoskop ermöglicht es die Sterbebegleitung, einen flüchtigen Blick auf den illustren Lichtspalt des Menschenlebens zu erhaschen.

Eine Niederschrift simpler Worte vermag es nicht, die Erfahrungen am Sterbebett in ihrem Gefühlsreichtum, ihrer Widersprüchlichkeit, ihrer Komplexität und ihrer Schönheit zu erzählen. Doch das klangliche Zusammenspiel von Musik und Literatur erlaubt es, die Tiefe und Wahrhaftigkeit der menschlichen Seele zu beleuchten. Daher rührt die Ursprungsidee dieser CD.

Mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine war für die Träger dieses Projektes der Zeitpunkt gekommen, die Idee zu realisieren.

Am 24. Februar 2022 ist das Thema „Tod, Trauer und Trost“ nahezu unvorstellbar grausam, erbarmungslos und betäubend über uns hereingebrochen. An dem Tag, der den Lauf der Geschichte veränderte – für die Ukraine, für Europa, für die Welt. Auch für uns.

Die Musik und die Texte dieser CD haben nicht nur zum Ziel, einen Beitrag zur Enttabuisierung des Todes zu leisten. Vielmehr wollen sie den Menschen, die sich mit der neuen Welt, einer düsteren und lähmenden Kriegsrealität, konfrontiert sehen, bei der Verarbeitung ihrer Trauer eine Stütze sein.

Musik und Literatur wirken auf die Menschen als Berührung mit dem Schönen, als Leuchtfeuer glühender Ideale, als Vermittler wahrhaftiger Werte. Sie sind somit ein einzigartiges Mittel, um Trost zu spenden, um Ohnmacht zu überwinden, um aufs Neue Hoffnung zu fassen.

Uns Trägern dieses Projektes ist es ein besonderes Anliegen, unsere Zuhörerinnen und Zuhörer mit Werken ukrainischer Künstler vertraut zu machen. Die entmenschlichende, aufhetzende Rhetorik des russischen Staates benutzt Begriffe wie „Entukrainisierung“, um die historischen Wurzeln des ukrainischen Volkes, seine Sprache und seine Kultur zu verhöhnen, zu negieren und zu pervertieren. Daher fühlen wir uns verpflichtet, die Schönheit und Schätze der ukrainischen Kultur in Wort und Klang lebendig zu erhalten.

Zu musikalischen Werken von Bach, Marcello, Mozart, Schubert, Chopin, Gluck, Nepomuceno, Glinka sowie von den ukrainischen Komponisten Lyssenko, Skoryk und Bortkiewicz hören Sie literarische Beiträge von Goethe, Ringelnatz, Kaléko, Rilke, Bonhoeffer, Roth, Eichendorff, Droste-Hülshoff, Streiff, Münchhausen, Andersen, Blumenthal, Fossen, Fried, Saint-Exupéry, Nabokov, Tolstoi, Latendorf und von den ukrainischen Dichtern Schewtschenko, Franko, Lessja Ukrajinka, Tschuprynka und Swidsinskyj.

1 Vladimir Nabokov, Die Wiege schaukelt über einem Abgrund aus ‚Erinnerung, sprich‘ | 0:25

2 Alessandro Marcello / Johann Sebastian Bach, Adagio aus ‚Oboenkonzert‘ BWV 974 ~ Mascha Kaléko, Der Schwan | 4:06

3 Dietrich Bonhoeffer, Ein kostbares Geschenk ‚Es gibt nichts‘ aus ‚Brief zum Heiligabend‘, aus dem Gestapo-Gefängnis, 1943 | 1:45

4 Bach / Alexander Siloti, Andante aus ‚Violinsonate‘ BWV 1003 ~ Peter Streiff, Denk Dir ein Bild | 2:42

5 Rainer Maria Rilke, Herbst ~ Bach, Sarabande aus ‚Französische Suite‘ BWV 812 | 2:48

6 Hrytsko Tschuprynka, Hast du nicht gehört ~ Alberto Nepomuceno / Barrozo Netto, Préce | 3:15

7 Anonymus (übers. Iwan Franko), Es fliegt das Pferd ~ Mykola Lyssenko, Angoise | 3:44

8 Joseph Roth, Herbst | 0:56

9 Franz Schubert, Andantino aus ‚Sonate‘ D 959 ~ Kaléko, Memento ~ Joseph von Eichendorff, Mondnacht ~ Annette von Droste-Hülshoff, Letzte Worte | 9:13

10 Lew Tolstoi, aus ‚Der Tod des Iwan Iljitsch‘ | 3:42

11 Mikhail Glinka, Nocturne ‚La Séparation‘ ~ Freiherr von Münchhausen, Über ein Grab hin ‚Je länger du dort bist‘ ~

Oscar Blumenthal, Zwei Augen aus ‚Fenster zur Seele‘ | 5:04

12 Wolodymyr Swidsinskyj, Kalte Stille ~ Annette Andersen, Hoffnung ~ Christoph Willibald Gluck / Siloti, Melody aus ‚Orpheus und Eurydike‘ | 4:41

13 Boris Hait, Die Kraft des Geistes. Eindrücke von der Palliativstation | 5:48

14 Bach / Siloti, Präludium aus BWV 855a ~ Kaléko, Die Zeit steht still | 3:49

15 Lessja Ukrajinka, Contra Spem Spero! ~ Mykola Lyssenko: Elegy Op. 41/3 | 4:30

16 Anonymus, Gespräch zwischen einem Zündholz und einer Kerze | 2:22

17 Sergei Bortkiewicz, Prelude Op. 33 No. 6 ~ Taras Schewtschenko, Das Feuer brennt | 3:50

18 Ukrajinka, Hoffnung ~ Myroslaw Skoryk, Melody | 3:12

19 Joachim Ringelnatz, An M. ‚Der du meine Wege mit mir gehst‘ | 0:44

20 Frédéric Chopin, Nocturne Op. 15 No. 2 ~ Joyce Fossen, Steh nicht weinend an meinem Grab | 4:35

21 Erich Fried, Was es ist aus ‚Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte‘ | 1:13

22 Wolfgang Amadeus Mozart, Adagio aus ‚Sonate‘ KV 332 ~

Antoine de Saint-Exupéry, Wenn Du bei Nacht in den Himmel schaust aus ‚Der Kleine Prinz‘ ~ Johann Wolfgang von Goethe, Nähe des Geliebten ‚Ich denke Dein‘ | 5:34

23 Bach / Siloti, Air aus ‚Suite für Streicher Nr. 3‘ BWV 1068 ~ Ute Latendorf, Leben lernen aus ‚Was ich dir schenken will‘ | 3:43


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