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Cappella Coloniensis

Die 1954 gegründete Cappella Coloniensis war das erste Orchester weltweit, das im Sinne der Historischen Aufführungspraxis musizierte. Nach der Aufbauphase der Anfangsjahre, in der es galt, Musikerinnen und Musiker zu finden, die sich mit der neuen Spielweise auseinandersetzten, ein entsprechendes Instrumentarium anzuschaffen, vor allem aber auch das Publikum an neue Klänge alter Musik zu gewöhnen, folgten in den 60er und 70er Jahren Konzerttourneen in alle Welt.
In der UDSSR, im Nahen und Fernen Osten, in Japan wie in Europa und Nord- und Südamerika wurde die Cappella als Botschafterin Deutschlands begeistert aufgenommen und gefeiert. Von den bedeutenden Dirigenten, die im Laufe der 50 Jahre ihres Bestehens am Pult der Cappella Coloniensis standen, seien nur einige genannt: Ferdinand Leitner, William Christie, John Eliot Gardiner, John Rifkin und seit 1997 immer häufiger Bruno Weil. Mit ihm wurde die Cappella zweimal mit dem Echo-Klassik-Preis der Deutschen Schallplattenindustrie ausgezeichnet. Es entstanden weithin beachtete CD-Aufnahmen der Weber-Opern „Der Freischütz” und „Abu Hassan” sowie der Oper „Endimione” von Johann Christian Bach. Weltweit Aufsehen erregte darüber hinaus die Uraufführung der Pariser Fassung von Richard Wagners "Der fliegende Holländer" im Juni 2004 in der Philharmonie in Essen und die Premiere des Opernfragments "Demofoonte" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Tonhalle Düsseldorf im Mai 2007.
Ein Orchester der Avantgarde zu sein – das war der Anspruch der Cappella Coloniensis bei ihrer Gründung durch den WDR vor über 50 Jahren. Dabei konnten ihre Gründerväter kaum ahnen, dass sie eine Bewegung in Gang setzen, die von so nachhaltiger, ja geradezu revolutionärer Bedeutung für das gesamte Musikleben werden würde. Die Aufgabe, Musik so zum Klingen zu bringen, wie sie sich der Komponist am Tage ihrer Entstehung im Kopf und im Herzen vorstellte, hat seitdem die Musiker und Hörer auf der ganzen Welt fasziniert.
Nach der Etablierung der Historischen Aufführungspraxis, an der die Cappella Coloniensis durch den WDR weltweit maßgeblichen Anteil hatte, ist nun die Lösung aus über 50-jähriger engagierter Trägerschaft durch den WDR vollzogen. Die Cappella Coloniensis steht auf eigenen Beinen und setzt die Arbeit der vergangenen Jahrzehnte mit großem Enthusiasmus fort.
Wegweisend war und ist bei dieser Arbeit immer die Programmauswahl vom Frühbarock bis zur Romantik. Die Cappella Coloniensis nimmt dieser Entwicklung folgend auch heute mit exemplarischen Aufführungen großer romantischer Werke eine Vorreiterrolle ein. Dass die barocken und klassischen Wurzeln dabei weiter gepflegt werden, ist Teil des Anspruches der Cappella Coloniensis.
Zentraler Punkt ist immer die Verwendung des historisch vorgegebenen Instrumentariums und der dazugehörenden Spieltechniken. Mit den Erfahrungen aus der Barockmusik nähern sich die Musiker der Cappella Coloniensis – anders als etwa Orchester mit modernen Instrumenten – der Klassik und Romantik aus der historisch richtigen Perspektive und vollziehen so die erstaunlichen Neuerungen der jeweiligen Kompositionszeit nach. So entsteht ein unverwechselbarer Klang, der sich in Transparenz und musikalischer Aussage deutlich von dem anderer Orchester unterscheidet.
Vergleichbar mit einem alten Gemälde, das vom Staub der Jahrhunderte befreit in seinem ursprünglichen Glanz erstrahlt, gibt die Cappella Coloniensis den Werken vergangener Epochen ihre ursprüngliche Klangkraft zurück. Ungespieltes aber auch oft Gehörtes wird so unerhört hörbar. 

 

 

 
 
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