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Louise Héritte-Viardot

* 1841
† 1918 in Heidelberg

Louise Héritte-Viardot hat in der Geschichte der Musik andere Spuren hinterlassen als ihre Mutter, Pauline Viardot-García (1821–1910), und ihre Tante, Maria Malibran (1808–1836), die zwei der berühmtesten Sängerinnen des 19ten Jahrhunderts waren. Sie war ebenfalls Sängerin und hatte von ihrer Mutter Unterricht erhalten, aber ihre Karriere als Sängerin wurde von ihrer schwachen Gesundheit beeinträchtigt. Anders als ihre Mutter und Tante widmete sie sich der Komposition mit einer Ausdauer und Disziplin, die die beiden anderen, ungeachtet ihrer großen Begabung, nie zeigten: ihre Werke beschränkten sich auf Vokalmusik mit Klavierbegleitung und ein paar kurze Ausflüge in die Klavier- und Kammermusik von Pauline. Louise dagegen nahm selbstbewusst die Komposition größerer Kammermusikstücke, Sinfonien und Opern in Angriff.
Sie schrieb ein autobiographisches Buch, Memories and adventures (1913, Erinnerungen und Abenteuer), welches einige Aspekte ihres noch recht unbekannten Lebens erhellt. Sie war das erste Kind der Eheleute Viardot: Pauline García, damals eine der beliebtesten Sängerinnen des Théâtre-Italien in Paris, heiratete 1840 dessen Direktor, Louis Viardot. Anscheinend zeigte Louis Viardot sich sehr enttäuscht darüber, keinen Sohn bekommen zu haben. Louise verbrachte den größten Teil ihrer Jugend bei ihrer Großmutter mütterlicherseits, während ihre Eltern für Paulines zahlreiche Auftritte die Welt bereisten. Louise war eine eigenwillige Persönlichkeit (Meyerbeer gab ihr den Spitznamen "Napoleon-Louise", als sie sechs Jahre alt war) und brachte sich vieles selbst bei. In ihren Memoiren betont sie, wie groß ihr Widerwille gegen jede Art von Unterricht war. Sie begann früh selbst zu komponieren und analysierte eingehend und selbstständig schon im Alter von zehn Jahren die Komposition von Kammermusik und Sinfonien. Ebenso studierte sie Berlioz' Traité d'instrumentation sehr gründlich. Später nahm sie Unterricht in Harmonielehre bei Auguste Barbereau, der seinerseits Schüler von Anton Reicha war, und fand einen Ratgeber in Charles Gounod, der ein häufiger Besucher im Hause Viardot war. Im Jahr 1862, als sie 21 Jahre alt war, heiratete sie den 20 Jahre älteren Ernest Héritte. Die Ehe war nicht glücklich und bald verließ sie ihren Ehemann, der Diplomat in Südafrika war, um mit ihrem Sohn Louis nach Europa zurückzukehren. Als hervorragende Pianistin nahm sie regelmäßig an den musikalischen Abenden in den Salons ihrer Eltern in Baden-Baden und Paris teil, wobei sie oft vor berühmten befreundeten Musikern wie Berlioz, Saint-Saëns, Massenet, Franck und Lalo Kammermusikstücke vom Blatt spielte. Im Laufe der Zeit begann sie, ihre eigenen Werke vorzustellen, die auch Zustimmung fanden. Später machte sie ausgedehnte Reisen und lebte in Rom, Stockholm, Sankt Petersburg, Frankfurt, London und Berlin. Sie war als Sängerin und Gesangslehrerin tätig und ließ sich schließlich in Heidelberg nieder, wo sie im Jahr 1918 starb.
Florence Launay, Übersetzung: Kristine Krüger

 


 

 

 
 
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