
* 09. Mai 1855 in Leipzig
† 13. September 1932 in Utrecht
Julius Röntgen war ein erfolgreicher Komponist. Sein umfangreiches Oeuvre (ungefähr 650 Kompositionen) umfasst Symphonien, Konzerte, Kammermusik in vielen Besetzungen, Lieder, Chorwerke und Opern.
Er wurde am 9. Mai 1855 in Leipzig geboren, als Sohn des niederländischen Geigers Engelbert Röntgen - Primarius des Leipziger Gewandhausorchesters - und der deutschen Klavierspielerin Pauline Klengel. Er bekam Klavierstunden von Louis Plaidy und Carl Reinecke, dem Dirigenten der Gewandhauskonzerte in Leipzig von 1860 bis 1895. Schon im jugendlichen Alter fing er zu komponieren an, und 1871 wurden seine ersten Kom-positionen gedruckt. Als Wunderkind trat er mit eigenen Werken auf, unter anderm in Düsseldorf, Hamburg und Leipzig. Als er 14 Jahre alt war, wurde er Liszt vorgestellt, dem er unter anderm sein Präludium und seine Fuge auf den Namen BACH vorspielte.
1877 kam er nach Holland, wo er den Rest seines Lebens wohnen bleiben sollte (1919 erhielt er die niederländische Staatsangehörigkeit). Er nahm eine Stelle als Klavierlehrer in Amsterdam auf, wurde Dirigent des Gesangvereins 'Excelsior', der Amsterdamer Abteilung der Gesellschaft zur Förderung der Tonkunst und der Felix Meritis-Konzerte. In vielerlei Hinsicht leistete er Pionierarbeit, unter anderem durch die erste niederländische Aufführung von Bachs „Hohe Messe“ und andere Erstaufführungen großer Chor-werke. Er trat in Kammermusikabenden auf, sowie auch als Solist. 1884 spielte er das Klavier im Zweiten Klavierkonzert von Johannes Brahms, während der Komponist selbst am Dirigentenpult stand. Röntgen war schon länger mit Brahms befreundet und führte in der Periode 1878 - 1885 mehrere Konzerte auf, bei denen Brahms seine Werke in die Niederlande introduzierte.
Es entstand eine innige Freundschaft zwischen Edvard Grieg und Röntgen. Ihr umfangreicher Briefwechsel, herausgegeben vom Königlichen Verein für niederländische Musikgeschichte, ist ein einmaliges Dokument, in dem beide Komponisten ein aufgeschlossenes Kommentar zur beiderseitigen Arbeit oder zur Arbeit anderer Fachkollegen geben und ihre bunten Erfahrungen und Erlebnisse auf musikalischem, gesellschaftlichem oder politischem Gebiet erörtern.
Wenngleich Röntgen die Entwicklungen des europäischen Musiklebens eifrig verfolgte, blieb er seiner eigenen, traditionellen, in der Leipziger Schule verwurzelten Schreibweise treu. Seine Musik ist am meisten mit Brahms verwandt, aber skandinavische Einflüsse und Bewunderung für Reger klingen in seinen Werken auch durch.
Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Röntgen in der von seinem Sohn Frants entworfenen Villa Gaudeamus in Bilthoven. Dort konnte er sich mit noch größerem Fleiß auf das Komponieren verlegen: mehr als 100 Werke entstanden in der Periode zwischen 1925 und 1932. Aber auch auf anderen Gebieten blieb er bis ans Ende seines Lebens aktiv. Gaudeamus wurde zu einem Treffpunkt für musikalische Aktivitäten: dort empfing er seine Gäste, veranstaltete Hauskonzerte und gab Analysenkurse. Später sollte die Stiftung “Gaudeamus” in diesem Haus ähnliche Kurse veranstalten, eine Tradition, die heutzutage wieder von der Maas-Nathan Stiftung, dem heutigen Besitzer der Villa „Gaudeamus“, fortgesetzt wird.
Julius Röntgen starb am 13. September 1932 in Utrecht. Folgende Zeilen wurden einem Artikel der „Times“ entnommen, in dem der britische Musikwissenschaftler Tovey Röntgen im September 1932 einen Nachruf widmete:
".... Röntgen's compositions, published and unpublished, cover the whole range of music in every art form; they all show consummate mastery in every aspect of technique. Even in the most facile there is beauty and wit. Each series of works culminates in something that has the uniqueness of a living masterpiece ... " - (… Röntgens Kompositionen, veröffentlicht und unveröffentlicht, umfassen die ganze Skala der Musik in jeder Kunstform; alle erweisen eine hervorragende Meisterschaft in jedem technischen Aspekt. Sogar in den einfachsten Stücken gibt es Schönheit und Esprit. Alle Werkskategorien kulminieren in etwas, das die Einmaligkeit eines lebenden Kunstwerkes hat...)
Quellenangaben
Text: Ariane & Maarten Karres,
Übersetzung aus dem Niederländischen:
drs. Julius E.F. Röntgen (geb. 1945), Enkel des Künstlers
Foto: © Familienarchiv Röntgen, Haags Gemeentemuseum