
* ca. 1650 in Peschiera am Gardasee
† 1737 in München
Fast das ganze Leben von Pietro Torri ist mit dem Wittelsbacher Hofe verbunden. Um 1650 in Peschiera am Gardasee geboren, finden wir ihn zunächst 1684 als Organist und Kapellmeister am Markgräflichen Hofe zu Bayreuth, bis er in München 1689 als Organist angestellt wird. Ein Jahr zuvor hatte Agostino Steffani den Münchner Hof verlassen, möglicherweise verdankt Torri sein Engagement dessen Empfehlung. Die enge Verbindung zu Steffani zeigt sich auch in Torris Gastspiel 1696 in Hannover, wo Steffani Kapellmeister war.
Bereits 1690 empfiehlt sich Torri mit seiner ersten dramatischen Komposition Gli Oracoli di Pallade e di Nemesi als Komponist. Knapp 50 weitere Opern, Serenaten, Oratorien, Torneos, Kantaten werden folgen. 1692 wird Max Emanuel Statthalter der Spanischen Niederlande und residiert in Brüssel. Während der Hofkapellmeister Giuseppe Antonio Bernabei in München verbleibt, folgt ihm Pietro Torri mit Teilen der Hofkapelle dorthin. 1699 allerdings verliert Max Emanuel mit dem Tod des Kurprinzen Joseph Ferdinand den Anspruch auf das erhoffte Spanische Erbe und muss nach München zurückkehren.
Torri bemüht sich durch Steffani zwar um eine Anstellung am Preußischen Hofe, bleibt aber letztendlich doch als Direktor der Kammermusik in München. Der Spanische Erbfolgekrieg zwingt Max Emanuel nach der Niederlage bei Höchstätt 1704 ins Exil. Bis 1706 weilt er wiederum in Brüssel, danach in Mons, Namur, Valenciennes – an seiner Seite Pietro Torri, dessen Kompositionen dieser Zeit stark beeinflusst sind vom französischen Stil eines Lully.
Erst 1715 – nach dem Frieden von Rastatt – ist München wieder die Residenz der Wittelsbacher. Jährlich komponiert Torri nun eine Oper, daneben andere Gelegenheitsmusiken. Sein Stil wendet sich wieder dem italienischen zu, ein starker Einfluss Alessandro Scarlattis ist erkennbar. Erst 1732 allerdings, nach dem Tode Bernabeis, wird Torri offiziell zum Hofkapellmeister ernannt, doch ist er eigentlich der fruchtbarste Komponist dieser Jahre. 1737 stirbt Torri in München.
Text: Christoph Hammer