Komponisten A-Z

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Anna Bon di Venezia

* ca. 1740
† ?

wurde in eine Künstlerfamilie geboren, deren Mitglieder in nahezu ganz Europa einen hervorragenden Ruf genossen. Ihr Vater Girolamo stellte seine vielfältigen Fähigkeiten als Librettist, Komponist und als bildender Künstler und Lehrer unter Beweis. Ihre Mutter war die namhafte Sängerin Rosa Ruvinetti. Anna begann ihre musikalische Ausbildung bereits sehr früh. 1743 trat sie als «figlia di spese», also als zahlende Schülerin, in das berühmte Ospedale della Pietà in Venedig ein, einer venezianischen Institution, die unter anderem dafür gerühmt wurde, besonders virtuose Violinistinnen hervorzubringen. Zum Lehrkörper des Ospedale zählte musikalische Prominenz wie Antonio Vivaldi und Nicolo Porpora. So war es Anna Bon möglich, während ihrer späteren Karriere als Musikerin wohl auf die denkbar besten Grundlagen zurückgreifen, die einer Frau ihrer Epoche überhaupt zuteil werden konnten. Wann sie das Ospedale wieder verließ, lässt sich aufgrund der schwierigen Quellenlage bislang nicht zweifelsfrei rekonstruieren. Als gesichert darf jedoch gelten, dass Anna schon in jungen Jahren mit der Operntruppe ihrer Eltern Deutschland, Österreich und die Slowakei bereiste, um am Hof von Bayreuth 1756 erstmals als Komponistin von Kammermusik an die Öffentlichkeit zu treten. Erst sechzehnjährig veröffentlichte sie ihre Sonate da Camera op. 1 bei Balthasar Schmidts Witwe in Nürnberg. Es handelt sich um sechs Flötensonaten im galanten Stil, die Anna Bon dem Markgrafen Friedrich, ein begeisterter Flötist, widmete. In Bayreuth, wo ihr Vater bis 1761 an der frisch gegründeten Akademie der freien Künste und Wissenschaften als Lehrer für Baukunst und Perspektive angestellt war, fand auch die junge Musikerin Anerkennung: der Titel einer Virtuosa di musica di camera wurde ihr verliehen. 1762 erfolgte die Anstellung der Bonschen Operntruppe in Eisenstadt, am Hof des Fürsten Nikolaus Esterházy, wo der junge Josef Haydn bereits als Vizekapellmeister tätig war. Es ist die bislang letzte belegte Station im Leben Anna Bons. Einem nicht bestätigten Hinweis in Ernst Ludwig Gerbers Historisch-biographischem Lexikon der Tonkünstler (1790-1792) zufolge soll Anna Bon als Ehefrau eines Hofsängers namens Mongeri noch 1767 in Hildburghausen (D) gelebt haben.


 

 

 
 
award