Georgisches Kammerorchester

Auf den ersten Blick verbindet ausser der Streicherbesetzung ihrer Werkemit Soloinstrumenten und ihrer Schweizer Herkunft kaum etwas die hier versammelten vier Komponisten Paul Juon, Fabian Müller, Ernest Bloch und Arthur Honegger. Etwas mehr als neun Jahrzehnte liegen die Geburtsdaten des ältesten und des jüngsten Komponisten auseinander. Erst ihre Biografien und Werkverzeichnisse stellen Zusammenhänge her, erstaunliche allerdings. Paul Juon wurde in Moskau als Sohn schweizerischer Auswanderer geboren und verbrachte den grössten Teil seines Lebens in Berlin, Ernest Bloch stammt aus der französischsprachigen Westschweiz und wanderte 1916 in die USA aus. Arthur Honegger kam in Le Havre zur Welt und lebte, von Konzertreisen und Aufenthalten bei Paul Sacher in der Nähe von Basel abgesehen, bis zu seinem Tod in Paris. Fabian Müller teilt mit Ernest Bloch den Bürgerort Lengnau im Kanton Aargau und holte sich als Komponist den letzten Schliff in den USA.

Sowohl Paul Juon als auch Ernest Bloch und Arthur Honegger wurden zuerst als Geiger ausgebildet,Fabian Müller begann seine künstlerische Laufbahn als Violoncellist. Da alle vier Komponisten über grosse Erfahrung mit Streichinstrumenten verfügten,wundert es nicht, dass jeder von ihnen nicht nur mehrere Streichquartette, sondern auch weitere Werke mit bedeutendem Streicheranteil schrieb.

Ausserdem spielen Volkslieder im Schaffen aller vier Komponisten eine wesentliche Rolle, trotz ihrer Vorliebe für Formen der absoluten Musik. Paul Juon zitierte und imitierte russische Volkslieder hauptsächlich in seinen Tanzrhythmen für Klavier zu vier Händen und gab jüdische, russische und slawische (ukrainische) Volkslieder heraus, Ernest Bloch liess sich vorallem von Volksweisen aus Savoyen und aus seiner amerikanischen Wahlheimat inspirieren. Arthur Honegger machte von schweizerischer Volksmusik in der 4. Sinfonie (Deliciæ Basiliensis) und in Chorwerken häufigen Gebrauch. Bei keinem Schweizer Komponisten der Gegenwart nimmt die Auseinandersetzung mit der einheimischen Volksmusik jedoch einen so breiten Raum ein wie bei Fabian Müller. Von 1991 bis 2002 arbeitete er alsHerausgeber der Sammlung Hanny Christen, einer Volksmusik-Anthologie, die in zehn Bänden über 10,000 Melodien aus dem 19. Jahrhundert zugänglich macht.