Schumann Quartett – Mozart, Ives, Verdi

W.A. Mozart Streichquartett D-Dur KV 575 (1. Preußisches)

Charles Ives Streichquartett Nr. 2 (1911-13)

Giuseppe Verdi Streichquartett e-moll (1873)

Kein Zweifel: Diesem Quartett gehört die Zukunft. Ensemble Magazin Mit dem ersten „Preußischen Quartett“ von Mozart legt das junge Schumann Quartetts eine Visitenkarte im Herzen der Wiener Klassik vor. Den Rest seiner zweiten SACD widmet es Peripherien des Streichquartetts: Im New York des frühen 20. Jahrhunderts opponierte ein junger Komponist namens Charles Ives gegen die verweichlichten Konventionen des europäischen Quartettideals. Im Italien der 1870er Jahre zollte der große Verdi dem in seiner Heimat gerade erst aufblühenden Streichquartett seinen ersten und einzigen Tribut. So vereint diese Aufnahme dreidiametral gegensätzliche Stile in der Geschichte des Streichquartetts: die melancholische Lyrik des späten Mozart, die Dramatik Verdis aus dem Geist der Aida und die Provokation eines Übervaters der Moderne.

Pleyel Edition vol.1 – Ignaz Pleyel Quartett

Um Pleyels Quartette zu beschreiben bräuchte man eigentlich nur Wolfgang Amadé Mozarts Brief vom 24. April 1784 zu erwähnen, den er an seinen Vater Leopold nach Salzburg schreibt:

„Dann sind dermalen Quartetten heraus von einem gewissen Pleyel; dieser ist ein Scolar von Joseph Haydn. Wenn sie selbige noch nicht kennen, dann suchen Sie sie zu bekommen; es ist der Mühe werth. Sie sind sehr gut geschrieben und sehr angenehm. Er wird seinen Meister gleich herauskennen. Gut und glücklich für die Musik, wenn Pleyel seiner Zeit imstande ist, uns Haydn zu remplacieren.“

In diesem Brief spiegelt sich die Wertschätzung Mozarts für zwar noch einfach gehaltene und dennoch in ihrer Schönheit kaum zu überbietende, beseligende, und wie kristall-klares Wasser perlende Werke. Mozart erkannte die Brillanz, den Charme und somit die Meisterschaft, die der Haydn-Schüler bereits in seinen Frühwerken erreichte.

Musik aus Dresden

Dresden gehört seit der Neugründung der sächsischen Hofkapelle 1548, der heutigen Sächsischen Staatskapelle, und dem Aufblühen einer bürgerlichen Musikkultur im 19. Jahrhundert zu den Musik-metropolen von Rang. Die Namen der Leiter der Hofkapelle – Heinrich Schütz, Johann David Heinichen, Johann Adolph Hasse, Nicola Porpora, Johann Gottlieb Naumann, Ferdinando Paër, Carl Maria von Weber (1817–1826), Heinrich Marschner, Richard Wagner (1843–1849), Julius Rietz (1860–1877) und Ernst von Schuch (1872–1914), der hier u.a. „Salome“, „Elektra“ und „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss zur Uraufführung brachte und damit den Weltruhm des Komponisten begründete – sprechen für sich. Hier lebten und wirkten aber auch, z.T. ohne eine feste Anstellung, so bedeutende Musiker wie Robert Schumann (1844–1850), Adolf Jensen (1868/69), Theodor Kirchner (1883–1890), Anton Rubinstein (1891–1894) und Serge Rachmaninow (1906–1909 und später noch einige Male, zuletzt 1928).

Der Glanz der Hofoper, die zunächst italienisch geprägt war und durch Carl Maria von Weber auch zu einem Zentrum der deutschen Oper wurde, eine reiche Kirchenmusikszene, die nicht nur von der Kreuzkirche und ihrem legendären Knabenchor beherrscht wurde, das im 19. Jahrhundert sich rasch entwickelnde Chorwesen, an dem Robert Schumann seinen Anteil hatte, sowie die Gründung eines Konservatoriums (1856) mit gutem Ruf verlangten schließlich auch eine nach innen und außen wirkende sachkundige Musikberichterstattung. Hier fand sich mit dem Pianisten und Komponisten Ludwig Hartmann (1836–1910) 1867 der geeignete Chronist, der bis zu seinem Tod unermüdlich, umfassend und kompetent, aber auch sprachlich gewandt für Dresdner Zeitungen und für die überregionale musika-lische Fachpresse berichtete. Zudem entfaltete er als Übersetzer fremdsprachiger Operntexte und Verfasser von populären Einführungen in Opern eine bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wirkende segensreiche Tätigkeit, für die er bewusst auf seine kompositorische Tätigkeit verzichtete.

Die vorliegende CD, die fast ausschließlich Erstaufnahmen enthält, stellt einer repräsentativen Auswahl aus den Liedern von Ludwig Hartmann und fünf Beispielen für seine Kunst der Opernübersetzung (in Werken von Georges Bizet, Giacomo Puccini und Ruggiero Leoncavallo) einen kurzen Ausschnitt aus Wagners 1845 in Dresden uraufgeführtem „Tannhäuser“, eine Arie aus Schumanns „Genoveva“ und drei Goethe-Lieder, die in Dresden entstanden sind, sowie drei Lieder des lange Zeit zu Unrecht vergessenen, inzwischen wieder entdeckten Adolf Jensen gegenüber.