Hiromi – J.S. Bach ASPEKTE

Um Bach auf dem modernen Klavier zu spielen, denke ich, muss man Ideen zu einer Reihe von Gesichtspunkten vereinigen. Es gibt z.B. den historischen, und den instrumentalen Aspekt. Wenn man eigene Ideen hat, kann man die Musik Bachs sowohl auf dem Cembalo als auch auf dem modernen Klavier wunderbar abbilden.

Das Klavier hat andere Möglichkeiten der Dynamik und Farbgebung als das Cembalo. Mit Hilfedieses Potentials kann man die Werke Bachs verständlicher machen. So bemühe ich mich um Klarheit der harmonischen und formalen Struktur seiner Werke.

Mein Ziel ist eine sowohl stilgerechte als auch persönliche Interpretation der Werke Bachs auf dem modernen Flügel. Ich sehe meine Aufgabe darin, die Musik Bachs auf dem modernen Klavier zu interpretieren wie ein historisch bewusster Architekt, der die alten Gebäude nicht zerstört, sondern bewahrt

Bruno Weil - Londoner vol. 4

Als Joseph Haydn im Juli 1792 seinen ersten Englandaufenthalt beendete, stand er nach den Triumphen seiner sechs neuartigen, „Londoner“ Symphonien Hob. I:93-98 auf dem Höhepunkt seines Ruhmes und trat die Rückreise nach Wien in der Gewissheit an, schon sechs Monate später an die Themse zurückzukehren. Allerdings verzögerte sich die zweite Englandreise aus unbekannten Gründen um ein ganzes Jahr. In der Zwischenzeit komponierte Haydn weiter und vollendete 1793 in Wien die Symphonie Nr. 99, die dort jedoch nicht uraufgeführt wurde. Denn anders als London oder Paris kannte das Wiener Musikleben jener Zeit neben der höfischen Musikwelt kein öffentliches Konzertleben, das durch mutige Musikunter-nehmer gestaltet wurde, die kommerzielle Abonnementkonzerte mit Uraufführungen und renommierten Solisten veranstalteten und mit allerlei Mitteln um das zahlende Publikum wetteiferten. Die großen, leistungsfähigen Londoner Orchester suchte man an der Donau ebenso vergeblich wie eine Presse, die mit entsprechenden Vorankündigungen und Besprechungen das Publikum für die Konzerte zu begeistern wusste.

Die in London entstandene Symphonie Nr. 102 hatte Haydn schon am 2. Februar 1794 an der Themse vorgestellt, sozusagen als Rückkehrgruß. Dass seine letzten zwei Londoner Symphonien (Nr. 103 & 104) nicht ebenfalls bei Salomon uraufgeführt wurden, hatte weltliche Gründe. Schon Anfang des Jahres hatte der aus Deutschland stammende Konzertveranstalter die Einstellung seiner Konzertreihe mit dem Hinweis angekündigt, die politischen Verhältnisse machten die Anwerbung attraktiver Solisten vom Kontinent unmöglich. Nach der Absetzung des französischen Königs (1792) und der Ausrufung der Republik war es zum Krieg zwischen Frankreich, Österreich und Preußengekommen und der bekannte zeitgenössische Musik-historiker Charles Burney fragte im September 1792 in einem Brief gar: „Is this the end of the 18th century, so enlightened & so philosophical?“ Nach der Hinrichtung von Ludwig XVI. im Januar 1793 und Königin Marie Antoinette im Oktober durch die Guillotine verbündeten sich die Königshäuser des gesamten Kontinents gegen Frankreich und stürzten die Länder in kriegerisches Chaos, das zum Zusammenbruch des dortigen Musiklebens führte.

In London übernahm derweil der Veranstalter Giovanni Battista Viotti die Haydn-Aufführungen von Salomon. Bereits am 2. März erklang die Nr. 103 und schließlich in einem Benefizkonzert am 4. Mai die Nr. 104, mit der nicht nur die Werkgruppe der „Londoner Symphonien“ abschließt, sondern auch das symphonische Schaffen Joseph Haydns. Entstanden waren beide Symphonien 1795 in London.