Caspar Frantz – Robert Schumann

Mit den Davidsbündlertänzen op. 6, den Nachtstücken op. 23 und den Gesängen der Frühe op. 133 sind drei besondere Werke im Schaffen Robert Schumanns auf dieser Aufnahme vereint, welche in einigem sehr verschieden, und doch in vielen Punkten eng miteinander verwandt sind.

Die vorliegende Aufnahme wurde auf einem Ibach-Flügel von 1913 eingespielt, und dass vor allen inhaltlichen Angaben hiervon die Rede sein soll, liegt daran, dass dessen Auswahl untrennbar mit den aufgenommenen Werken verbunden ist. Wie oft auch bei anderen großen Komponisten, waren es im Falle von Robert Schumann die Angehörigen, Schüler und Weggefährten, welche die Werke nach dessen Tod ordneten und herausgaben, sogar kurzerhand entsorgten oder mit Aufführungsverboten belegten (Schumanns Violinkonzert zum Beispiel wurde 80 Jahre unter Verschluss gehalten) und somit die Weichen für die Wahrnehmung von Schumanns Œuvre stellten. So gut dies auch gemeint sein mochte, hat dies immer noch problematische Auswirkungen. Hartnäckig hält sich vielerorts die Meinung, Schumanns letzte Werke seien schwach und von Anzeichen geistiger Ermattung gezeichnet. Wie es zu solchen Fehleinschätzungen kommen kann, könnte man genüsslich als unerklärliche, gleichsam zu akzeptierende Tatsache hinnehmen. Umso sinnvoller erscheint es mir, die Werke Robert Schumanns auf den selben, klanglich an der Schnittstelle zwischen historischem Originalklang und den hypersensiblen Konzertflügeln von heute stehenden Instrumenten der Zeit des frühen 20. Jahrhunderts zum Klingen zu bringen, kurzum: der klanglichen Ästhetik und jenem Umfeld nachzuspüren, unter dessen Einfluss damals der Richterspruch über so viele Werke Schumanns gesprochen wurde.

Dies kann niemals eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Werken ersetzen, aber dennoch erscheint es mir wert, einmal die Möglichkeiten (und auch das nicht Machbare) auf diesem, in jedem Bauteil originalen Instrument des beginnenden 20. Jahrhunderts auszuloten und ein Fenster zu öffnen zu einer Zeit, die die Schumann-Rezeption so nachhaltig mitbestimmt hat.
Caspar Frantz

The Sound of the 20s

Die hier eingespielten Werke für Violine und Klavier sind ein instrumentenspezifischer Einblick in die klanglichen Welten der 1920er Jahre. Ihre Komponisten wurden – mit Ausnahme von Jacques-Alphonse De Zeegant – zu Beginn letzten Drittels des 19. Jahrhunderts geboren und waren zum Zeitpunkt der Entstehung ihrer jeweiligen Violinsonaten um die 40 Jahre alt. Sie befanden sich nicht mehr in der Frühphase ihrer Komponistenlaufbahn, sondern verfügten nach Phasen verstärkten Aufgreifens unterschiedlicher musikhistorischer Elemente und Stile bereits über einen jeweils individuellen Zugriff auf Klang und ihre eigene Tonsprache, welche sie in der Auseinandersetzung mit der Gattung der Violinsonate begleitete. Zu Beginn des Jahrhunderts hatten Sologattungen insbesondere in Frankreich nicht den besten Ruf, waren doch im 19. Jahrhundert erbitterte Auseinandersetzungen über das Virtuosentum und ihren Stellenwert innerhalb der Musik als Kunst geführt worden. George Enescu und Ernest Bloch waren selbst herausragende Violinisten, was die Werken für dieses Instrument mit einer besonderen Perspektive, einem inneren und innigen Blick auf instrumentenspezifische Stil- und Ausdrucksgeschichte versieht. Drei der vier Violinsonaten wurden in den 1920er Jahren geschrieben, zu denen das zeitgenössische Werk von De Zeegant einenzeitlichen Kontrapunkt setzt. Die Wirren der Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, geprägt von den erschütternden Ausmaßen von Gewalt und Tod im Ersten Weltkrieg, von den persönlichen Erfahrungen von Verlust und Entbehrungen, von der politischen Neuordnung Europas und ihrer – nicht zuletzt in der Gleichzeitigkeit extremer politischer Haltungen ihren Ausdruck findenden – Instabilität, aber ebenso geprägt vom ausschweifend-exzessiven Nachtleben der Metropolen und der Entdeckung neuartiger Musik afroamerikanischer Herkunft – so facettenreich diese Zeit, so verschieden waren auch die Lebens- und künstlerischen Ausdruckswelten der hier interpretierten Komponisten – und mit ihnen nicht zuletzt auch ihre Violinsonaten.  

Die Idee hinter dieser CD ist es, einen Querschnitt der vielfältigen Palette an Farben, Kontrasten und Gefühlen der zwanziger Jahre zu zeigen! Angefangen mit Bloch, dessen Sonate eine unglaubliche Energie und Kraft zu Tage bringt; die unbändige Tatkraft eines Aufbruchs, Expressionismus in seiner vollen Blüte..