Raphael Epstein – Dimitri Kabelevsky

Die hier aufgenommenen drei Präludien ex-Opus 19 – eine Welturaufführung – sowie die drei Präludien Op.1, stammen aus den Jahren 1924 respektive 1925, als Kabalewski gerade mit seinem Kompositionsstudium am Moskauer Konservatorium begann. Wenn auch der Stil dieser Stücke nicht viel zu tun hat mit dem der 18 Jahre später komponierten Präludien Op. 38, so zeugen sie doch von einer großen Sensibilität und der Vorliebe des Komponisten für die kleine Form. Sie geben uns auch Auskunft über die Faszination, die Skrjabin mutmaßlich auf Kabalewski ausübte, was besonders in diesen Jugendwerken spürbar ist.


Alois Mühlbacher – Urlicht

Gustav Mahler und Richard Strauss einte die tiefe Beziehung zur Literatur und gerade zur Lyrik als Inspirationsquelle für deren musikalische Ausdeutung und Überhöhung in eine Ausdruckssphäre, die das jeweils eigene Lebensempfinden widerspiegelte. Gleichwohl bearbeiteten beide Komponisten ihre Textvorlagen ganz unterschiedlich. Rückte sich Mahler die Texte durch eine Vielzahl von Eingriffen – Auslassungen, Umstellungen und gar eigene Hinzufügungen – nach Bedarf und Ausdrucksverlangen zurecht, so hielt sich Strauss strikt an die Gedichtsvorlagen.

Franz Farnberger: Für mich und alle unsere gemeinsamen Freunde und Bekannten ist die Stimme von Alois Mühlbacher ebenso selbstverständlich wie unverwechselbar. Auch wenn sie sich seit seiner Zeit als "Wunderknabe" der St. Florianer Sängerknaben naturgemäß sowohl von der Tonlage als auch von der gesangstechnischen Perfektion her entwickelt hat, sind viele Parameter gleichgeblieben: Man könnte sie mit dem Begriff einer "perfekten, die feinsten Nuancen der Musik erfassenden Geschmeidigkeit" zusammenfassen. Für uns, die wir Alois gut kennen und seinen stimmlichen Werdegang begleitet haben, ist auch das Bild, das wir mit dieser Stimme verbinden, selbstverständlich. Wie aber würde sich ein Zuhörer, der ausschließlich seine Stimme hört, die dazugehörige Person vorstellen? Wie würde man seinen Gesang einordnen? Klingt die Stimme wie die anderer Countertenöre, hat sie etwas Androgynes oder gar noch etwas Sängerknabenhaftes an sich? Ich weiß es nicht, für mich ist sie einzigartig und ausschließlich als solche von Alois identifizierbar, untrennbar mit seiner liebenswürdigen Persönlichkeit verbunden, und das ist eine ideale Kombination!

44 Jahre trennen mich altersmäßig von ihm. Als Kind war es ja ganz selbstverständlich, dass er einen älteren Lehrmeister (in unserem Fall in Form von mir als seinem Chorleiter) hatte. Mittlerweile hat er ein Gesangsstudium abgeschlossen, hat weltweit mit vielen berühmten Ensembles musiziert und könnte jede Menge junger, technisch perfekter Klavierpartner haben. Dass er mir für diese Aufnahme treu geblieben ist, finde ich großartig, fast rührend. Nach wie vor ist jede Minute unseres gemeinsamen Musizierens eine große Freude!


Benjamin Hewat-Craw – Never such innocence – English Song

Alle drei Komponisten der CD-Einspielung „English Song: Never such innocence“ erlebten die Schrecken des Ersten Weltkriegs, das Sterben von Freunden und Kollegen. Das Bedauern über eine verlorene Unschuld widerspiegelt sich in ihren Liedern. Den 150. Geburtstag von Ralph Vaughan Williams haben Bariton Benjamin Hewat-Craw und Pianist Yuhao Guo zum Anlass genommen, Lieder von britischen Komponisten zwischen den Jahren 1904 und 1914 vorzustellen. Sowohl Ralph Vaughan Williams als auch die weniger bekannten Komponisten George Butterworth und Ivor Bertie Gurney kämpften im Ersten Weltkrieg. Heute aktueller denn je verknüpft die Einspielung drei verschiedene Komponistenbiografien, die für zwei von ihnen mit dem Einbruch des Weltkriegs ein abruptes Ende fanden. Butterworth fiel 1916 bei der Schlacht an der Somme. Gurney litt unter Kriegsneurosen nach seinem Militärdienst und verbrachte die letzten 15 Jahren seines Lebens in der Psychiatrie. Er starb 1937, vor 85 Jahren.

Die Einspielung könnte man als einen Blick auf die Periode des Fin de Siècle in Großbritannien sehen. Wie oft in der Kunst gab es auch da zwei Strömungen: eine zurückblickend in die Vergangenheit, eine andere mit dem Versuch neue, radikale Kunstformen zu schaffen. Die beiden Komponisten George Butterworth und Ivor Bertie Gurney spielen mit diesen zwei Strömungen und werden sowohl von der Vergangenheit als auch von der Zukunft inspiriert. Dennoch haben sie einen völlig unterschiedlichen Ansatz. Angesichts seines frühen Todes erscheinen Butterworths nuancenreiche Vertonungen der „Six Songs of a Shropshire Lad“ umso schmerzlich-melancholischer. Ivor Bertie Gurney komponierte mehr als 300 Lieder und ist nahezu in Vergessenheit geraten. Seine „Five Elizabethan Songs“ gibt es nur in wenigen Einspielungen. Sie überraschen mit einer erstaunlichen Leichtigkeit, die von Humor, Trostlosigkeit und Weltschmerz gleichermaßen durchwoben sind.


Guy-Claude Luypaerts – Mozaïek

Guy-Claude Luypaerts absolvierte seine gesamte musikalische Ausbildung an der nationalen Musikhochschule von Paris (Conservatoire National de Musique - CNSM). Dort wurde er mit 7 Preisen, unter anderem dem 1. Preis für Flöte in der Klasse von Jean-Pierre Rampal und dem 1. Kompositionspreis in der Klasse von Tony Aubin ausgezeichnet. Seine ersten Werke lassen bereits sein hervorragendes Talent als Orchestrierer und seine Vorliebe für konzertante Aufführungen und für Bläserensemble erkennen.

Auf diesem Tonträger erleben wir Guy-Claude Luypaerts als Komponist und Musiker. Gemeinsam mit den Solisten Anne-Sophie Bertrand (Harfe), Jean Dubé (Klavier) spielt Guy-Claude Luypaerts die Flöte. Die Vogtland Philharmonie wird dirigiert von ihm selber, sowie von Pascale Jeandroz und Nathanael Carré.